Gemeinsamer Bundesausschuss von JEF und Europa-Union – Gemeinsam für die Entwicklung unserer Verbände: Ein Bericht

Bericht von Mathias Staudenmaier

Zum Glück bin ich nicht abergläubisch. Wenn ich das nämlich wäre und den Start in das Bundesausschuss-Wochenende als Omen genommen hätte: Ich hätte wohl wieder direkt nach Hause gehen müssen. Durch einen Bahn-Streckenschaden vor Naumburg kamen wir drei Thüringer Teilnehmer nicht nur mit Verspätung, sondern auch nur unter Verlust einiger Nerven zur ersten Sitzung am Freitagabend in der Jugendherberge am Ostkreuz in Berlin an.

Doch natürlich ging ich nicht nach Hause. Schließlich stand eine ganze Menge Spannendes an: Nicht nur der JEF-BA selbst, sondern auch ein gemeinsamer BA mit der Europa-Union sowie eine Akademie zur Verbandsentwicklung. Das alles an einem Wochenende unterzubringen versprach allerdings natürlich auch einiges an Arbeit, wie man schon dem Ablaufplan entnehmen konnte: Sitzungen bis weit nach Mitternacht erweckten den Eindruck, als ob man versehentlich in die Sondierungen über eine neue Bundesregierung geraten wäre.
Der Vergleich mit der Regierungsbildung hinkt aber natürlich, schließlich wollten wir zu konstruktiven Ergebnissen kommen. Und das taten wir auch: Im gemeinsamen BA von JEF und EUD verabschiedeten wir eine Resolution zur Reform der EU, in der wir unter anderem Transnationale Listen für die Europawahl, eine/n Europaminister/in und Diskussionsforen zur Zukunft Europas fordern. Außerdem gab es einen Beschluss zur Reform des Europawahlgesetzes sowie eine Neufassung des Kooperationsabkommens zwischen JEF und EUD.

Es folgte am Samstagmittag der erste Teil der Verbandsentwicklungsakademie, die sich zum Ziel gesetzt hatte, nicht nur den Kopf, sondern auch Augen und Hand zu beschäftigen: Der Kopf wurde bei einer Session zum Projekt „Tru Lies“ beansprucht, in der es um Kommunikationsstrategien gegen populistische Aussagen über die EU ging. Augen und Hand wiederum bei einem Kurs zur zeichnerischen Visualisierung unserer Inhalte, bei dem selbst die Zwei-Linke-Hände-Fraktion (zu deren stolzen Mitgliedern ich mich zähle) teilweise zu großen Künstlern wurde.

Doch unser eigentliches Tagesgeschäft stand ja noch bevor. Na ja… „Tages“geschäft. Gegen 20 Uhr am Samstagabend wurde der JEF-BA von Freitag fortgesetzt, und wir hatten nicht weniger als 10 Anträge noch auf der Tagesor… äh, ich meine, der Nachtordnung stehen. Im Marathonschritt und mit den letzten Reserven Konzentration schafften wir es tatsächlich, bis 1:00 Uhr nachts alle Anträge und Änderungsanträge zu behandeln und sie dennoch alle auch inhaltlich zu würdigen. Auch wenn gegen Ende die Geschäftsordnungsanträge auf Vertagung sich häuften – wir hielten durch.

Der Sonntag schloss das Wochenende ab (das ist eine schlechte Angewohnheit von Sonntagen, machen die fast immer). Einerseits mit einem „World Café“ zur Verbandsentwicklung, in dem von der Präsenz in Social Media über Kampagnenarbeit bis hin zur internen Kommunikation in Landes- und Kreisverbänden viele Themen diskutiert wurden, andererseits mit einem Best-Practice Austausch über das Thema Europa an Schulen.

Auch wenn wir als Thüringer Landesverband unsere beiden Anträge zur Anti-Terror Politik und zum europäischen Mindestlohn für den Moment noch nicht mehrheitsfähig machen konnten, ziehen wir ein positives Fazit des Wochenendes: Stimmung und Debatten waren sehr gut. So nehmen wir eine Menge des berühmten JEF-Spirits wieder mit in unseren Landesverband und unsere Ortsgruppen.