Bericht von der Buchvorstellung Jens Mühling: „Schwarze Erde“

Bericht von der Buchvorstellung Jens Mühling: „Schwarze Erde“

Bericht von Marius Mortsiefer

„Die Ukraine ist ein gespaltenes Land“ – allzu oft wird dieser Satz bemüht, um den Krieg in der Ukraine begreiflich zu machen. Während die Westukrainer*innen nach Freiheit und Demokratie in der europäischen Gemeinschaft streben würden, empfänden sich die Menschen in der Ostukraine aufs Engste mit Russland verbunden. Verläuft tatsächlich eine solche Grenze durch das osteuropäische Land, die die Mentalitäts- und Wertezugehörigkeit der Menschen markiert? So recht wollte sich der Journalist und Autor Jens Mühling mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben.

Um sich ein eigenes Bild der Lage zu machen, entschied er sich, die Ukraine von West nach Ost zu durchreisen und mit den Menschen vor Ort zu sprechen. Getroffen hat er Nationalisten und Altkommunisten, Krimtataren, Volksdeutsche, Kosaken, Schmuggler, Archäologen und Soldaten, deren Standpunkte kaum unterschiedlicher sein könnten.
Buchvorstellung Jens Mühling: „Schwarze Erde“: Blick ins Publikum
In seinem Buch „Schwarze Erde“ hält er diese Begegnungen fest und gewährt uns einen Blick auf ein eindrucksvolles Land, das keineswegs einem Schwarzweiß-Muster folgt. Eingeladen von den Jungen Europäischen Föderalisten Erfurt und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen stellte Jens Mühling sein Buch am 26. April 2016 im Café Hilgenfeld auf dem Campus der Universität Erfurt vor. Während seiner Lesung und der sich anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass er die ukrainischen Mentalitätsunterschiede keinesfalls als ursächlich für den aktuellen Konflikt betrachtet. Vielmehr würden sie durch die staatliche Medienpropaganda seitens der russischen und ukrainischen Regierungen zu ihren Zwecken instrumentalisiert. Eine Einteilung von Ukrainer*innen lasse sich allenfalls an ihrer Einstellung zur Sowjetunion und gewissen Nostalgiegefühlen festmachen.

Insbesondere vor dem Hintergrund einer wahrscheinlichen Visumsfreiheit für ukrainische Bürger*innen sowie eines möglichen Weges in die Europäische Union hat die Buchvorstellung zu einem dringend notwendigen und differenzierten Bild unseres osteuropäischen Nachbarlands beigetragen. Denn schließlich dienen Kenntnisse über die verschiedenen Regionen und Kulturen unseres Kontinents dazu, einander vertrauter zu werden, Vorurteile abzubauen, die Vielfalt schätzen zu lernen und somit die Grundlagen für ein vereintes Europa zu schaffen.

Zur Person

Jens Mühling, geboren 1976 in Siegen, studierte Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der University of East Anglia, Norwich, England. Er war Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung und arbeitet seit 2005 beim Tagesspiegel. Für seine Reportagen und Essays über Russland wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Reportagepreis n-ost, dem Axel-Springer-Preis und dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreis.
Buchvorstellung Jens Mühling: Schwarze Erde: Jens Mühling

Förderung

Diese Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen durchgeführt.

Bildnachweis: JEF Erfurt.
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