Europäischer Tag der Sprachen – Vielfalt ist unsere Stärke

In Europa sind 150 bis über 200 Sprachen verbreitet. Neben den großen, oft weltweit verbreiteten Schriftsprachen sind dies vor allem Sprachen von Minderheiten. Diese werden oft zugunsten der Amtssprachen übersehen und genießen ein geringeres Prestige. Dies kann sich in der Diskriminierung ihrer Sprecher*innen widerspiegeln .

Die vom Europarat 1992 gezeichnete “Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen” ächtet diskriminierende Praktiken gegen Sprachen von staatlicher Seite. Beide Papiere sind grundlegend für die Akzeptanz und Förderung der Pluralität in Europa.

Leider wirkt das nicht auf dem gesamten Kontinent. So hat das Regime in Belarus kürzlich eine radikale Russifizierungspolitik und damit einhergehend die Verfolgung des Belarussischen begonnen. Wegen der Verwendung dieser Sprache – die auch offizielle Amtssprache des Landes ist – wurde etwa der Stadtführer Ihar Chamara in Minsk festgenommen. Und da der russische Angriffskrieg die Vernichtung der ukrainischen Identität zum Ziel hat, ist es wenig verwunderlich, dass die Besatzung mit Bücherverbrennungen und Vorgehen gegen Sprecher*innen des Ukrainischen einhergeht.
Es gibt also Regionen in Europa, in der die Wahl einer bestimmten Sprachen auch Folter oder gar Ermordung nach sich ziehen kann.

Vor diesem Hintergrund müssen wir uns gegen alle Versuche stellen, welche Deutsch als alleinige Sprache in diesem Land vorsehen. Es darf und kann niemand gezwungen werden, Deutsch zu Hause zu sprechen, wie es regelmäßig in der Politik vorgeschlagen wird. Diese populistischen Forderungen schüren nicht nur Ressentiments, sondern sind Ausdruck autoritären Geistes. Die Antwort darauf muss der Ausbau an Fremdsprachenkompetenz sein. Denn Mehrsprachigkeit schützt vor der Idee, Sprache zur Trennung zwischen den Menschen zu nutzen, und fördert stattdessen Vielfalt und Zusammenhalt.