Veranstaltungsbericht: Der Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat

Veranstaltungsbericht: Der Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat

Bericht von Bastian Stein

„Ich breche das Video hier ab, wir brauchen es nicht zu Ende zu sehen. Aber glauben sie mir, es ist richtig schrecklich“, mit solchen anschaulichen Beispielen und Erzählungen hat Marco Seliger über den Terror, das Vorgehen und die Strategie des so genannten Islamischen Staates (IS) sein Publikum fesseln können. Gerade seine journalistische Erfahrung und Erlebnisse im Nordirak waren der Grund, warum die JEF Jena ihn als Referenten für einen Vortrag und anschließenden Empfang eingeladen hatte. „Wir wollten gezielt keinen rein akademischen Vortrag. Wir haben einen Beitrag Marco Seligers über den Nordirak und wollten genau das live“, erläutert Tobias Sonnenberg, Mitglied der JEF Jena. Marco Seliger präsentierte aber auch anspruchsvoll und umfassend und konnte viele für das Publikum überraschende Details des Konfliktes um den IS darstellen. So würden sich die Führungsschicht des IS ursprünglich aus irakischen ehemaligen Geheimdienstoffizieren rekrutieren und weniger aus den religiösen Fanatikern, die unser Bild des IS prägen. Damit konnte Marco Seliger auch das perfide wie professionelle Vorgehen des IS erklären, angefangen von hervorragender Propaganda bis zum ausgeklügelten Spitzel- und Terrorsystem. Es wurde ein Vergleich zum 30-jährigen Krieg gezogen – auch im derzeitigen Konflikt in Syrien und Irak würden religiöse Argumente die wirtschaftlichen und politischen Motive der Akteure verdecken. So sind eine Vielzahl von Akteuren in diesem Stellvertreterkonflikt beteiligt, neben Russland und Iran auch afghanische Hazara und zukünftig vielleicht pakistanische Soldaten.

Seine Einschätzung des IS und den Erfolgsaussichten einer westlichen Intervention gegenüber ist angesichts dieser Komplexität ernüchternd. Zwar bilde der IS auf Dauer keinen funktionierenden Staat. Solange die Sunniten zwischen dem alawitischen Assad-Regime und Russland auf der einen und der schiitischen irakischen Regierung und Iran auf der anderen Seite aufgerieben werden, haben sie keine Alternative zum IS. „Der IS ist zuallererst eine Idee für die Sunniten und die lässt sich nicht wegbomben“, so Seliger. Der IS besitzt eine kulturelle und politische Dimension bis nach Europa und ist hier auch erfolgreich. „Der IS braucht den Hass auf sunnitische Muslime. Der Aufstieg von Pegida und AfD ist das Beste, was dem IS in Deutschland passieren kann“, wagt Seliger eine These.

Die Veranstaltung wurde von JEF Jena gemeinsam mit den der Reservistenkameradschaft Jena, der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und der Landesgruppe Thüringen des Reservistenverbandes durchgeführt. Die Entscheidung mit einer Reservistenkameradschaft zu kooperieren war bewusst gewählt. „Sicherheitspolitik ist hochaktuell, spannend und stößt auch bei jungen Menschen außerhalb der Bundeswehr auf Interesse“, so Tobias Sonnenberg. Der übervolle Saal gibt ihm Recht. „Das ist das jüngste Publikum, vor dem ich jemals einen Vortrag gehalten habe“, so Seliger.

Volles Haus im Großen Saal des Hauses auf der Mauer.
Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat: Volles Haus im Großen Saal des Hauses auf der Mauer
Referent Marco Seliger schildert plastisch die Herkunft und das Tun des so genannten Islamischen Staats.
Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat: Referent Marco Seliger schildert plastisch die Herkunft und das Tun des so genannten Islamischen Staats
Die Veranstalter (JEF und Reservistenverband) mit Referent Marco Seliger.
Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat: Die Veranstalter (JEF und Reservistenverband) mit Referent Marco Seliger
Bildnachweis: Morlin Hermann, Erik Heurich